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Pubblicato il n. 198 - Aprile - Luglio 2017 - del periodico dell' Associazione Ex Alunni della Badia di Cava

 
 
 

Die Abtei der Hl. Dreifaltigkeit zu Cava

 

Die Benediktinerabtei der Hl. Dreifaltigkeit zu Cava erhebt sich in einer reizvollen Umgebung des metellianischen Tals, ca. drei Kilometer vom Städtchen Cava dei Tirreni entfernt und in unmittelbarer Nähe zur Amalfitanischen Küste. S. Alferio, ein salernitanischer Edelmann mit langobardischen Wurzeln, der eine Ausbildung in Cluny genossen hatte, gründete die Abtei im Jahre 1011. Schon bald wurde sie, unter dem dritten Abt S. Pietro, das Zentrum einer florierenden Kongregation, des Ordo Cavensis, welche bis zu 400 abhängige Häuser unter sich vereinte, darunter Kirchen, Abteien und Priorate. So erstreckte sich ihr Einflussgebiet in weltlichen und geistlichen Belangen über ganz Süditalien, auch dank der Großzügigkeit der Fürsten Salernos, welche die Abtei mit ihren Wohltaten bedachten. Mit der weltlichen Pracht der ersten drei Jahrhunderte ging auch eine Blüte an Heiligkeit einher: Die ersten vier Äbte wurden von der Kirche als Heilige anerkannt (Alferio, Leone, Pietro, Costabile), weitere acht wurden selig gesprochen (Simeone, Falcone, Marino, Benincasa, Pietro II, Balsamo, Leonardo, Leone II). Zwischen dem XIII. und dem XIV. Jahrhundert begann der Niedergang der Abtei, ausgelöst durch eine einseitige und exzessive Konzentration auf die weltlichen Güter, sowie durch Verheerungen und Plünderungen. 1394 wurde sie zum Bischofssitz erhoben, bis sich die Macht der Zeitumstände immer mehr bemerkbar machte: Nach der Regierung einiger Abtsbischöfe, wurde sie von 1431 bis 1497 Kommendatar-Kardinälen anvertraut, welche sie sowohl von Mönchen, als auch von Ressourcen entleerten. Der letzte dieser Kommendatare, Oliviero Carafa, vollzog mit seinem Verzicht auf die Kommende und der Begünstigung eines Anschlusses an die Kongregation von S. Giustina von Padua (später Cassinesische Kongregation), der 1497 erfolgte, einen vorausschauenden Gestus. Von diesem Zeitpunkt an befolgten die Äbte die monastische Observanz, das Studium und die Hirtensorge in der Diözese. Im XVIII. Jahrhundert erfuhren die Kirche und einige Teile der Abtei eine Erweiterung und Rekonstruktion. Dennoch blieben einige augenfällige Elemente aus der Zeit des Mittelalters erhalten. Von Bedeutung ist das Archiv, in welchem ca. 15000 Pergamente vom VIII. bis zum XIX. Jahrhundert lagern, ebenso wie die Bibliothek, die u.a. wertvolle Handschriften und Incunabeln enthält. Im Zuge des Gesetzes über die Aufhebung vom 7. Juli 1866, wurde die Abtei zu einem Nationalmonument erklärt und pro tempore in die Obhut des Abtes gegeben. 1979 erfolgte die Wiedererrichtung als Territorialabtei durch den Hl. Stuhl. In dieser Eigenschaft unterhält sie in der Diözese vier Pfarreien und betreut die Pilgerstätten Maria SS. Avvocata sopra Maiori, Avvocatella in S. Cesareo und S. Vincenzo Ferreri in Dragonea. Heute beherbergt die Abtei zahlreiche Kunstwerke und Kulturgüter. Die Benediktiner, die nunmehr seit fast tausend Jahren ununterbrochen das Kloster bewohnen, setzen ihr kulturelles Wirken mit einer weiten spirituellen Ausstrahlung fort, zu nennen sind hier: Das liturgische Gebet, die Beobachtung der Regel des Hl. Benedikt und die vielen Aktivitäten, an welchen die Abtei maßgeblich beteiligt ist, so z. B. die Führung des Archivs und der Bibliothek, die Aufnahme von Gästen, der seelsorgliche Dienst in ihrer Diözese und die Ausbildung des Klerus.

Die Bibliothek

Die Bibliothek der Abtei Cava war seit den Ursprüngen (XI. Jhr.) ein fester Bestandteil des Klosters, sollte sie doch gemäß der Regel des Hl. Benedikt die Mönche mit Büchern versorgen. Neben der Bibliothek als Ort der Aufbewahrung gab es in Cava auch ein Scriptorium, in welchem Bücher für die Ausbildung der Mönche im eigenen, wie in den vielen abhängigen Klöstern geschrieben wurden. Als Beleg hierfür dienen die Codices Nr. 9 (XII. Jhr.) Expositio in I Librum Regum, das bis vor kurzem noch fälschlich dem Hl. Gregor dem Großen zugeschrieben wurde, aber ein Werk des Mönches Pietro von Cava ist, Nr. 18 (XIII. Jhr.) De septem sigillis, Nr. 19 (XIII. Jhr.) Kalendarium, Evangelia, Apocalypsis, Epistola I Ioannis, Regula S. Benedicti. Einen Zuwachs verzeichnete die Bibliothek im XIV. Jhr. in der Form einer Bibel und des Speculum historiale des Vincenzo di Beauvais. Hinzu kamen Erwerbungen aus dem Bereich des Schreibmaterials, sowie der Buchbindung. Von beiden ist leider nichts mehr vorhanden. Nach der bis heute gültigen Vermutung von Leone Mattei Cerasoli lag die Ursache für die Verstreuung der in den ersten Jahrhunderten gesammelten Bücher zum einen in der Bibliophilie des einen oder anderen Kommendatar-Kardinals in der Zeit der Kommende (1431-1497), zum anderen in der prekären Situation des Klosters, die eine große Anzahl von Büchern für die wenigen verblieben Mönche unnötig erscheinen ließ. Verdienstvoll für die Bibliothek handelten hingegen die Mönche von S. Giustina (auf vielen Inkunabeln ist der Erwerb in Venedig eigens für Cava vermerkt). Zu nennen sind: Abt D. Vittorio Manso, der als erster die gedruckten Bücher von den Handschriften trennen ließ und der, um den Bestand der Bibliothek zu sichern, 1595 eine Bulle von Papst Klemens VIII. erhielt, die es bei Strafe der Exkommunikation verbot, Bücher aus der Bibliothek zu entfernen und Abt D. Filippo De Pace, dessen Name auf unzähligen Bänden verzeichnet ist. In der Weihnachtsnacht des Jahre 1796 erlitt die Bibliothek einen verheerenden Schaden, als ein Erdrutsch vom höhergelegenen Cava-Massiv niederging, der die Bibliothek „vollständig zerstörte“, wie eine zeitgenössische Quelle berichtet. Viele Bücher und Manuskripte gingen bei dieser Katastrophe verloren. Im XIX. Jhr. waren es dann die Regierungsgewalten und nicht mehr die Naturgewalten, die der Bibliothek der Mönche zusetzten: Zweimal traf die Auflösung der religiösen Orden die Abtei: Erstmals 1807 auf Veranlassung von Joseph Bonaparte, des Königs von Neapel, dann 1866 durch König Vittorio Emanuele II. aus dem Haus Savoyen. Im einen, wie im anderen Fall beließ man den Abt in einer verantwortlichen Stellung, 1807 als „Direktor des Anwesens“ und 1867 (aufgrund eines neuen Gesetzes) als „Kustoden des Nationaldenkmals“, auch einige Mönche verblieben dort als Kustoden. Dieser juristische Rahmen wird bis heute aufrechterhalten. Die Mönche haben ihrerseits mit derselben Sorgfalt die Pflege und Mehrung des Bücherbestandes betrieben, welche sie vor der Inbesitznahme durch den italienischen Staat aufwandten. Wie damals, so wird auch heute das Anwachsen des Bestandes in den genuin monastischen Feldern besonders gefördert, so in der Patristik, der Theologie, des Rechts und der Geschichte. Schenkungen sind von der Bibliothek immer mit Blick auf den Charakter des Fonds, sowie auf die räumlichen Verfügbarkeiten angenommen worden. Besonders hervorstechende Fonds sind die folgenden: Giovanni Abignente (1956), Giovanni Bassanelli (1982), Amalia Santoli (1992). Die Bibliothek besitzt 65 membranbeschriebene Codices, ca.100 papierbeschriebene Manuskripte, 120 Inkunabeln, mehr als 5000 Veröffentlichungen aus der Zeit vom XVI. bis zum XVIII. Jahrhundert. Die Zahl der gedruckten Werke beläuft sich auf ca. 72000. Unter den berühmtesten Codices ragen die folgenden heraus: Eine westgotische Bibel aus dem IX. Jhr., der Codex legum Langobardorum aus dem XI. Jhr., die Etymologiae des Isidor aus dem VIII. Jhr., De Temporibus von Beda aus dem XI. Jhr. und De septem sigillis des Benedikt von Bari aus dem XII. Jhr.

Das Archiv

An die Bibliothek schließt das Archiv an, für das die Abtei berühmt geworden ist. Nach der Gründung durch S. Alferio 1011 gelangte die Abtei schnell zu Macht und Einfluss, vor allem durch die zahlreichen Schenkungen von Gütern, Kirchen und Klöstern von Seiten der Fürsten (überwiegend aus langobardischen und normannischen Geschlechtern), Bischöfe, Herrschaften und Privatleute. Die Verwaltung, Verteidigung und die vielfältigen Anspruchsregelungen rund um die verschiedenen Besitzungen, die entweder ad laborandum oder in Emphyteuse gegeben wurden, führte mit der Zeit zu einer ansehnlichen Anhäufung von Dokumenten, Regesten, Inventarverzeichnissen und Katastern. Dass es zudem Schriftstücke aus der Zeit vor der Gründung der Abtei gibt, erklärt sich daraus, dass Kirchen und Klöster mitsamt ihren Archiven in den Besitz der Abtei von Cava gelangten. Unter den ältesten Klöstern gehören S. Massimo di Salerno (gegründet 865, 1086 an Cava abgetreten), S. Maria de Dommo aus Salerno (gegründet 989 und 1091 Cava geschenkt) und S. Nicola de Gallocanta, zwischen Vietri und Salerno, erbaut 983 und auf Cava übergegangen im Jahre 1148. Was für die drei aufgeführten Klöster gilt, trifft auch für die vielen weiteren Immobilien –auch bescheidenen Ausmaßes- zu, die allesamt mit ihren Dokumenten Besitz Cavas wurden. Die Archivare des Klosters, welche zunächst den Titel vestararius und später armarius führten, setzten seit dem XIII. Jhr. Fleiß und Mühe daran, die Dokumente zu sichten, sie zu studieren, ihre Verwendbarkeit zu prüfen und sie zu katalogisieren. Nach der Zeit der Kommende und der Angliederung an die Kongregation von S. Giustina in Padua 1497, erblühten die Archivstudien, angestoßen vor allem von D. Vittorino Manso, D. Alessandro Ridolfi und D. Agostino Venereo, letzterer der größte Archivar von Cava. Er las und übertrug alle vorhandenen Dokumente, ordnete sie nach Schenkungsart und Herkunft, trennte Bullen und andere päpstliche Dokumente von denen privater Natur und versah jedes der Archivalien mit den chronologischen und archivistischen Daten und übertrug dies anschließend in ein großes Register. Gleichzeitig hielt er in verschiedenen Foliobänden alle ihm interessant erscheinenden Besonderheiten fest. So entstand ein Nachschlagewerk, welches bis heute unentbehrlich für die historische Forschung ist. Es bleibt noch festzuhalten, dass das papierene Material mit den Pergamenten vereint blieb. Im Jahre 1626 wurden neue Schränke aufgestellt, welche für die Verwahrung der Urkunden mit Buchstaben gekennzeichnet wurden, für private Dokumente hingegen mit Nummern. Mit dem Abriss der alten Kirche musste für Bibliothek und Archiv eine neue Bleibe gefunden werden, da beide über der Kirche lagen. Es scheint aber, dass die heutigen Räumlichkeiten, möbliert mit eleganten Schränken und ausgeschmückt mit einem schönen Deckengemälde im pompeianischen Stil, erst 1784 eingerichtet wurden. Zu dieser Zeit war Abt D. Raffaele Pasca, das Archiv führte D. Salvatore de Blasi, der sich bleibende Verdienste in seiner Archivarbeit erwarb, vor allem aber mit der Series Principum qui Langobardorum aetati Salerni imperarunt (Neapel, 1785). Eine Neuerung trat mit dem Archivar D. Ignazio Rossi (1827-1831) ein, welcher die Dokumente chronologisch ordnete und die papierenen von denen auf Pergament verfassten trennte. Die nach der Auflösung von 1866 als Kustoden des nunmehr staatlichen Besitzes verbliebenen Mönche, begannen damit, die Pergamente im Codex diplomaticus cavensis in 8 Bänden (d.h. 1388 Dokumente von 792-1065) zu veröffentlichen. Zwischen 1887 und 1890 stellten sie zudem ein Namens- und Sachregister der 7760 papierenen Schriftstücke zusammen. Das Archiv ist im Besitz von über 15000 lateinischen Pergamenten, das älteste aus dem Jahr 792 und 101 Pergamenten in griechischer Sprache. Nicht alle lateinischen Pergamente waren immer Teil des Archivs. 1807 wurden in Salerno vom damaligen Archivar D. Luigi Marincola ca. 1500 Pergamente aus der Kartause bei Padula gekauft, welche auf dem Platz dem Erstbietenden feilgeboten wurden. Diese Dokumente entgingen somit der Verstreuung. Um 1820 kamen noch 114 Pergamente aus dem Konvent S. Francesco di Eboli hinzu, außerdem noch ca.500 aus Novi Velia. Im XX. Jhr. wurden etwa 150 Pergamente durch mehrere Schenkungen dem Archiv vermacht: 122 kamen 1924 durch die Stadtverwaltung Noceras aus dem Basilianerkloster S. Maria Materdomini, 76 im Jahre 1958 aus Roccagloriosa durch den Baron Fernando de Caro, 1975 übergab Dr. Vincenzo Rubini dem Archiv von Cava 49 aus Capaccio. Weitere 101 konnten ebenfalls 1975 aus notarieller Hand wiedererlangt werden. Die Archivalien wurden in ihrer Gesamtheit von D. Agostino Venereo studiert, der darüber drei wichtige Werke verfasste: Das Dictionarium Archivii Cavensis in drei Bänden (in sechs Bänden von D. Camillo Massaro überarbeitet), die Additiones Archivii Cavensis in drei Bänden und die Familiarum Libri ebenfalls in drei Bänden. Der chronologisch strukturierte Katalog der Pergamente, verfasst in Latein, erstreckt sich über acht Bände, von denen einer den Bullen und Urkunden gewidmet ist, die anderen sieben den privaten Dokumenten. Das Archiv beinhaltet Regesten, Inventarverzeichnisse und Vermögensbücher von hohem Interesse. Hierzu zählen: Regestrum D.ni Balsami Abbatis aus den Jahren 1222-1225 (Pergament), Inventarium abbatis Mainerii 1341-1359 (Pergament), Liber reddituum et ecclesiarum Cavae D.ni Thomae Abbatis 1261-1262 (Pergament), Regestrum D.Thomae abbatis 1259-64 (Baumwoll-Papier), Regestra D. Maynerii (4 Bände, Papier) 1341-1365, Inventarium seu quinternus terrarum nostri monasterii S. Benedicti de Salerno antiquitus, XIII.-XIV. Jhr., Inventario di S. Maria Maddalena di Bari, XVI. Jhr., Censi del Vestarario, XIV. Jhr., Liber censuum Cavae, XIV.-XVI. Jhr., Regestra D. Ioannis Cardinalis de Aragonia (5 Bände) 1475-1485, Libri visitationum (29 Bände, behandeln die pastoralen Visitationen der Cavenser Äbte von 1500 bis 1934), 15 Bände beglaubigte Kopien auf Pergament von Dokumenten, Bullen und Privilegien, verfasst in den Jahren 1503-1510., 182 notarielle Protokolle, welche die Jahre 1468 bis 1801 umfassen, 155 Register der Abteiverwaltung von 1497 bis 1853. Was die Veröffentlichung der Pergamente angeht, so enthalten schon die Arbeiten von Muratori und dell’Ughelli einige Dokumente, aber erst nach der Aufhebung, genauer gesagt im Jahre 1869, wurde die komplette Edition von den Mönchen Cavas in Angriff genommen, die den Codex Diplomaticus Cavensis, unter Federführung von M. Morcaldi, M. Schiani u. S. De Stefano, I. Bd. Neapel 1873; Bände II-VIII, Mediolani-Pisis-Neapel 1875-1893; Bände IX-X unter Leitung von S. Leone u. G. Vitolo, Abtei Cava 1984-1990 herausgaben. Die edierten Dokumente umfassen den Zeitraum von 792 bis 1080 und belaufen sich auf 1669. Zwei Fonds kamen im XX. Jhr. durch Schenkungen dem Archiv zugute: Der Fonds Mansi, übergeben im Jahre 1970 durch Frau Eleonora Mansi di Ravello und der Fonds Talamo-Atenolfi-Brancaccio, zugeeignet im Jahre 1979 durch die Marchesi Talamo-Atenolfi-Brancaccio aus Castelnuovo Cilento. Im Jahre 2012 hat der Rechtsanwalt Fürst Mario Putaturo Donati Viscido von Nocera, stellvertretender Ehrenpräsident des Obersten Kassationsgerichtshofs, das Familienarchiv, das durch die Denkmalschutzbehörde von Neapel gebunden ist, als Nachlass übergeben, und dabei klargestellt, dass er es nicht der Staatsbibliothek anvertraut, sondern der Benediktinerabtei der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu Cava, gemäß dem Beispiel seiner langobardischen Vorfahren.

 

 

(übersetzt v. fr. Methodius Völkel OSB)